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Offener Brief an Landrat Töpper

Sehr geehrter Herr Landrat Töpper,

wir nehmen Bezug auf die Stellungnahme von Ihnen und dem Landkreis Schweinfurt „zur
Annahme von KKG-Bauschutt“. Sie weisen unsere Kritik bezüglich „Offenheit und
Transparenz“ vehement zurück.

Am 18.April 2019 haben Sie Sich Zeit für ein Gespräch im Landratsamt genommen. In
unserer Funktion als Vorsitzender der Kreisgruppe Schweinfurt des BUND Naturschutz in
Bayern, e.V. (BN) und als Sprecherin des Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft
(SWAB) hatten wir schon seit Längerem darum gebeten. Weitere Teilnehmer waren Herr
Benz und Herr Frank.

Themen waren vorrangig die - aufgrund unserer fachlichen Informationen - sehr
problematisch zu bewertende Praxis von „Freimessung“ und Freigabe von Materialien aus
dem AKW-Rückbau, die zu erwartende Anreicherung von radioaktiver Strahlung mit
Einfluss auf Umwelt und Bevölkerung, die Frage von Deponierung und Verbrennung und
die Frage, welche Einrichtungen dafür vorgesehen sind.

Zur Verbrennung haben wir erfahren, dass das nicht im Schweinfurter
Gemeinschaftskraftwerk passieren wird. Zur Deponierung, dass es noch keine offizielle
Anfrage des AKW-Betreibers an die Landkreis-Deponie Rothmühle gegeben habe. Es
wurde auf das politische Bemühen hingewiesen, eine zentrale Deponie für die Aufnahme
entsprechender Materialien von den drei bayerischen AKW-Standorten zu finden.

Bei diesem Gespräch wurde weder von Ihnen, sehr geehrter Herr Landrat, noch von den
Herren Benz oder Frank eine Information dazu gegeben, dass bereits im Jahr 2018 AKW-
Rückbau-Material aus Grafenrheinfeld auf der Landkreisdeponie Rothmühle angeliefert
wurde. Auch darüber, dass die Müllverbrennungsanlage in Schwandorf die Rückstände
aus dem AKW Grafenrheinfeld annimmt, die zur Verbrennung vorgesehen sind, haben Sie
uns nicht informiert, obwohl die erste Anlieferung dort bereits 2018 erfolgte.

Hatten Sie, Herr Landrat Töpper, und die Herren Benz und Frank am 18.April 2019 davon
keine Kenntnis? Sollten Sie in Kenntnis der Sachverhalte diese Informationen
zurückgehalten und damit unsere Fragen nicht beantwortet haben, fänden wir das
äusserst bedauerlich und mit dem Anspruch auf Transparenz und Offenheit schwer
vereinbar.

Es ist korrekt, dass sich die Fragestellung nach dem „nicht näher benannten politischen
Gremium“ aus der Formulierung in den Präsentationsfolien, die bei der Sitzung des
Ausschusses für Umwelt, Land- und Abfallwirtschaft Verwendung fanden, sowie der
mündlichen Darstellung von Herrn Fackelmann ergeben hat. Der anwesende
Medienberichterstatter konnte daraus nicht schliessen, dass damit der tagende
Ausschuss gemeint ist.

Zum Thema „Minimierung der Gefährdung ….“
Das Minimierungsgebot ergibt sich aus § 8 Strahlenschutzgesetz
(2) „Wer eine Tätigkeit plant, ausübt, oder ausüben lässt, ist verpflichtet, jede unnötige
Exposition oder Kontamination von Mensch und Umwelt auch unterhalb der
Grenzwerte so gering wie möglich zu halten. Daraus ergibt sich das Ziel, die
Strahlenbelastung stets auf das mögliche Minimum zu reduzieren.

Wir sehen das in der gängigen AKW-Rückbau-Praxis nicht erfüllt.
Aus der Präsentation für die Ausschusssitzung können wir auch für den AKW-Standort
Grafenrheinfeld nicht entnehmen, dass geplant ist, die Strahlenbelastung zu minimieren.
Ihre Stellungnahme und die Aussagen in der verwendeten Präsentation deuten mit dem
Verweis auf das 10 Mikro-Sievert-Konzept eher auf die geplante Ausnutzung der
Risikowerte hin.

Wir haben Kritik geübt - die daraufhin erfolgte Stellungnahme von Landrat und
Landratsamt ist in einem Stil verfasst, der uns überrascht und den wir bedauerlich finden.
In einer offiziellen Stellungnahme mehrfach die Bezeichnung „Eheleute Günther“ zu
wählen, und uns damit als Privatpersonen zu behandeln und anzugreifen, erscheint uns
fragwürdig.

Es handelt sich nicht um einen privaten Vorgang - und wenn Personen, die sich zu
atompolitischen Fragen kritisch einbringen, zufällig verheiratet sind, dann ist das fachlich
selbstverständlich nicht relevant.

Sehr geehrter Herr Landrat, möglicherweise haben Sie und das Landratsamt Schweinfurt
eine andere Interpretation von „Gefährdung minimieren“, und beziehen sich dabei nicht
auf den oben genannten, gültigen § 8 Abs. 2 Strahlenschutzgesetz?
Dann wäre es aus unserer Sicht wichtig, dies sachlich zu klären.

Uns eine „haltlose Behauptung“ vorzuwerfen, abzusprechen, dass unser Handeln
kritisches, berechtigtes Begleiten durch Bündnisse oder Verbände sei, unter der
Überschrift „Keine kritische Begleitung, sondern Unterstellungen ohne sachliche
Grundlage“ in dem Vorwurf zu gipfeln: „Es handelt sich, dies ist bedauerlicherweise
festzuhalten, um Unterstellungen ohne sachliche Grundlage, die offenbar größtmögliche
Verunsicherung herbeiführen sollen:“… das ist inhaltlich fragwürdig!
Wir weisen diese Äusserungen entschieden zurück.

Für die einzelnen Beteiligten beim Thema AKW-Rückbau und Verwahrung des radioaktiv
„strahlenden Erbes“ ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte. Die Betreiber sind der
„Wirtschaftlichkeit“ verpflichtet, es gibt die Sicht von Behörden auf Bundes- und
Landesebene, es gibt die Einschätzung von WissenschaftlerInnen, es gibt ethische
Fragestellungen, es gibt gesetzliche Festlegungen.

„Runder Tisch“ oder „Dialogforen“, wie wir sie bereits vor der AKW-Stilllegung gefordert
haben - und die es an anderen Standorten gibt - bieten zumindest die Chance, dass über
den ernsthaften Austausch ( auch mit VertreterInnen atomkritischer Positionen) beim
AKW-Rückbau mehr Schutz vor radioaktiver Belastung für Bevölkerung und Umwelt
erreicht werden kann. Voraussetzung wäre natürlich die Offenlegung von Plänen und
Unterlagen.

Das Thema ist sehr komplex - wir stimmen Ihnen zu. Wir werden den Prozess als Teil
der kritischen Öffentlichkeit, als Vertreter des Umweltverbandes BUND sicher auch
weiterhin mit Interesse begleiten - auf regionaler und auf überregionaler Ebene. Wir
werden auch weiterhin Kritik üben, wenn es geboten erscheint.

Mit freundlichen Grüßen

Babs Günther
für das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft, Sprecherin

Edo Günther
1.Vorsitzender der Kreisgruppe Schweinfurt
BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Mahnwache 13.07.2020

Nun ist es offiziell bekannt (Mainpost-Artikel vom 03.07.),  dass bereits im OKTOBER 2018!! „Bauschutt“ vom AKW-Rückbau auf die Deponie Rothmühle (Bergrheinfeld) geliefert wurde. Die Mitglieder des Ausschuss für Umwelt, Land- und Abfallwirtschaft des Landratsamtes haben aktuell zugestimmt / entschieden / abgenickt, dass 1850 Tonnen „freigemessene“ Abfälle aus dem AKW, die nicht frei von Radioaktivität sein müssen, sondern lediglich einen politisch festgelegten „Grenzwert“ nicht überschreiten, auf die Deponie Rothmühle geliefert werden können.
 
Von Bedingungen oder Forderungen des Gremiums (nach Ertüchtigung z.B.) ist allerdings nichts bekannt….wie soll denn sichergestellt werden, dass radioaktive Partikel nicht über die Luft verteilt werden bzw. durch Versickerung ins Grundwasser gelangen? Die hiesige Bevölkerung wird einem erhöhten Risiko ausgesetzt - und vor vollendete Tatsachen gestellt. Vor diesem Hintergrund bitten wir Euch,
 
den Termin schon mal festzuhalten:  Unter dem Motto „Strahlende Rothmühle?“ veranstaltet das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) am 13.07. 2020 von 18.00 - 19.00 Uhr eine Mahnwache am Schillerplatz in Schweinfurt !


Tschernobyl-Gedenktag

Coronabedingt wird das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) am heutigen Montag, 27.04.2020, keine Mahnwache zum Gedenken an den 34. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl (26. April) veranstalten.
Der aktuelle Jahrestag steht unter dem Eindruck der verheerenden Feuer, die seit mehr als drei Wochen im verseuchten Gebiet der Sperrzone  um die Atomruine des explodierten Atomreaktors wüten. Weite Flächen sind bereits verkohlt, Trockenheit und Wind fachen die Flammen immer aufs Neue an. Die Löscharbeiten konnten die Feuer bisher nicht ausreichend eindämmen. Cäsium 137, Plutonium 239 und Strontium 90 belasten die Böden. Radionuklide aus Pflanzen und dem Boden werden freigesetzt, verbreitet und können nun aufs Neue die menschliche Gesundheit gefährden.
Infolge der Atomkatastrophe starben Tausende Menschen bzw. wurden verletzt. Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt, vornehmlich Einsatzkräfte erkrankten an Krebs, Schlaganfällen, Infarkten, Erblindung und anderen strahlenbedingten Krankheiten. In einer gigantischen radioaktiven Wolke verbreiteten sich die gefährlichen Partikel - die Ärzteorganisation IPPNW weist daraufhin, dass auch heute noch beispielsweise Wildschweine, Beeren und Pilze etwa im Bayerischen Wald so stark verstrahlt sind, dass ihr Verzehr das Krebsrisiko erhöhen kann. Auch 34 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl ergibt sich daraus eine konkrete Bedrohung für Mensch und Natur.
Atomkraft ist teuer und schmutzig. Sie war immer massiv subventioniert und auch im militärischen Interesse. Sie birgt langanhaltende und letztlich unkontrollierbare Gefahren und ist eine extrem gefährliche Form der Energiegewinnung. Sie ist verbunden mit der Produktion von gefährlichem, radioaktiv strahlendem Atommüll, der auch für die Folgegenerationen eine immense Gefährdung bedeutet - bislang gibt es weltweit! keine Lagerstätte, wo dieser ausreichend sicher und ausreichend abgeschirmt verwahrt werden kann. Atomare Katastrophen sind grenzüberschreitend. Atomkraft ist nicht klimaneutral. Atomkraft ist nicht zu verantworten.

Deshalb fordert das SWAB den - längst überfälligen - sofortigen Atomausstieg weltweit und den Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien

Bericht zur Film-Matinee Wackersdorf

75 Interessierte sind am Sonntag, 28. April dem Aufruf des Schweinfurter Aktionsbündnis
gegen Atomkraft (SWAB) gefolgt, um bei einer Film-Matinee mit dem Film „ Wackersdorf“
im Schweinfurter Programm-Kino KuK des 33. Jahrestages der Atomkatastrophe von
Tschernobyl (Ukraine) zu gedenken. Babs Günther, Sprecherin des SWAB, erläuterte bei
der Begrüßung, dass auch nach 33 Jahren in einigen Gebieten Deutschlands die
Auswirkungen des radioaktiven Fall-out, der über Europa niedergegangen war,
nachzuweisen seien. Ein großes Gebiet um das Atomkraftwerk, in dem es am
26.April 1986 zu Explosion und Super-Gau gekommen war, bleibt aufgrund der
radioaktiven Verseuchung dauerhaft unbewohnbar; der Atom-Unfall bewirkte enorme
ökologische und ökonomische Schäden, Leid und Krankheit - auch bei Folge-
generationen. Ca. 60 000 Tote sind als Opfer der Tschernobyl-Katastrophe zu beklagen. 
Deshalb sei es wichtig, auch nach der langen Dauer dieses Unglücks zu gedenken:
Tschernobyl stehe als Mahnung und Symbol dafür, dass Atomenergie im Unglücksfall
nicht zu beherrschen und die Verbreitung von radioaktiven Partikeln nicht zu begrenzen ist. 

Weiterlesen: Bericht zur Film-Matinee Wackersdorf

Jahresrückblick 2018

Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB): Jahresrückblick 2018
In unserem Jahresrückblick müssen wir feststellen, dass sich für die Region Schweinfurt und die
hiesige Bevölkerung weiterhin starke Belastungen durch das AKW Grafenrheinfeld ergeben. Die
erteilte Rückbaugenehmigung erlaubt es z.B. die radioaktiven Emissionen in Luft, Boden, Wasser
in ungeminderter Höhe fortzuschreiben. Es wird sogar zusätzliche Belastung 
geben - durch die
Bestückung der neuen Atommüllhalle , die derzeit gebaut wird. Schwach- und mittelradioaktive
Materialien, die beim Rückbau anfallen, sollen dort gelagert werden - und die Strahlenbelastung
ist für einen Wert bewilligt, der beinahe 3-fach so hoch ist, wie die Belastung aus dem
Atommülllager für hochradioaktiven Müll! 
Wir sehen das mit großer Sorge! 

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