Neue Studie zum Zwischenlager

Das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) verweist auf eine neue Studie,
die auch für die hiesige Region von großer Bedeutung ist.

Im Auftrag des BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland - hat die Diplom-Physikerin
und Atomsicherheitsexpertin Oda Becker eine Studie zu aktuellen Problemen und Gefahren bei
deutschen Zwischenlagern erstellt. Die beunruhigenden Ergebnisse betreffen auch das Standort-
zwischenlager in Grafenrheinfeld.



Dort gibt es eine Lagerhalle mit 88 genehmigten Stellplätzen für Castoren,  in denen die abgebrannten
Brennelemente aus dem Betrieb des AKW Grafenrheinfeld eingelagert sind - und weiter eingelagert
werden. Die Genehmigungsdauer erlischt 2046 - danach soll der hochradioaktive Müll in ein Endlager
gebracht werden. Soweit der Plan. Becker zeigt Defizite bei der Sicherung und der Sicherheit der
Zwischenlager auf - durch fehlende Inspektion- und Reparaturmöglichkeiten, dem unzureichenden
Schutz gegen mögliche Terroranschläge. Sie hält das Eindringen einer entschlossenen und entsprechend
bewaffneten Terrorgruppe in oberirdische Zwischenlager für durchaus möglich.

Die Brisanz der Zwischenlagerung sieht Becker dadurch verschärft, dass ein tiefengeologisches Lager
frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit Atommüll bestückt werden kann - was eine
Verlängerung der Zwischenlagerung bedeuten werde. Allerdings sind die Sicherheitsnachweise für
die Castoren nur für 40 Jahre geführt worden. Negative Auswirkungen durch Alterungseffekte sind
bei verlängerter Zwischenlagerung zu erwarten - z.B. Material- und Zustandsänderungen an der
Behälterinnenwand, dem Inventar, der Primärdeckeldichtung, dem Tragkorb zur Aufnahme von
Brennelementen und dem Neutronenabsorber.

Oda Becker: „Es sollten an allen langfristigen Zwischenlagerstandorten während der gesamten zu
erwartenden Betriebszeit „Heiße Zellen“ vorhanden sein, in denen Reparaturen der Behälter sowie
die Überprüfungen von Inventar und Einbauten im Behälterinnenraum möglich sind.“
Becker zieht den Schluß, dass ein erweiterter Strahlenschutz für die Bevölkerung nötig ist.

Becker: „Niemand kann angesichts der weltweiten Erfahrungen bei der Endlagersuche später ernsthaft
behaupten, dass die Zwischenlager in bisheriger Weise weiterbetrieben werden müssen, weil mit einem
höheren Zeitbedarf oder sogar mit einem (erneuten) Scheitern der Standortsuche für das Endlager nicht
zu rechnen war.“

Als Fazit der Studie steht die Forderung nach einem Neubewertungsprozess des Zwischenlagerkonzepts,
dabei sollten die Risiken von notwendigen Lagerungen und Transporten im Rahmen eines Gesamtkonzeptes
für die Zwischenlagerung bewertet werden. „Ein transparentes Verfahren für die Entwicklung eines neuen
Zwischenlagerkonzepts mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung wäre ein erforderlicher und zudem ein
wirksamer Schritt in Richtung einer erfolgreichen Standortauswahl für ein Endlager.“Oda Becker ist mit den
Besonderheiten des Atommüllzwischenlagers am AKW - Standort Grafenrheinfeld vertraut - sie war als
Gutachterin für die Klagen gegen dessen Genehmigung tätig. Im Januar 2018 wird der BN (Mitglied im
Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft ) eine öffentliche Info - Veranstaltung mit der Atomsicherheitsexpertin
in Schweinfurt veranstalten,  bei der sie detailliert über Inhalte ihrer Studie berichten wird.